Dies endete damit, dass ich nachts mit Atemnot in die Notaufnahme eingeliefert wurde. Die Diagnose lautete: dilatative Kardiomyopathie – sehr überraschend für mich, da man in meinem Alter und mit meinen sportlichen Hobbies nicht mit einer Herzschwäche rechnet.
Im Februar 2008 wurde mir ein implantierbarer Defibrillator eingesetzt. Zusätzlich wurde die medikamentöse Behandlung so eingestellt, dass ich ein recht „normales“ Leben führen konnte. Ich machte das Fachabitur und konnte anschließend ein Studium zum Betriebswirt erfolgreich abschließen. Im Anschluss begann ich, bei einem IT-Unternehmen zu arbeiten.
Im August 2013 kam es zur kardialen Dekompensation und einer erneuten Einlieferung in die Notaufnahme der Uni-Klinik Homburg. Da sich mein Zustand nicht verbesserte, entschloss ich mich im Dezember 2013, mich stationär im Krankenhaus behandeln zu lassen. Am 13. Dezember 2013 wurde ich mit dem Status HU (high urgent) auf die Transplantationsliste aufgenommen.
Kurz danach ging alles recht schnell. Über die Weihnachtstage kam es zu einem Organversagen von Herz, Nieren und Leber. Am 27. Dezember sagte man mir, dass ich in die Herzchirurgie verlegt werde. Es sollten weitere Untersuchungen folgen, aber es lief darauf hinaus, ein EXCOR®* Herzunterstützungssystem der Firma Berlin Heart zu bekommen. An diesem Tag erhielt ich per Not-OP eine vorübergehende Kreislaufunterstützung und wurde in ein künstliches Koma versetzt. Am 2. Januar 2014 wurde mir das EXCOR®* System implantiert.
Zu Beginn war alles sehr ungewohnt, meine Familie und ich mussten uns an das Gerät gewöhnen. Jedoch ging es jeden einzelnen Tag einen Schritt nach vorne und keinen zurück. Nach der dreiwöchigen Reha durfte ich nach Hause. Dies war möglich, da meine Familie, insbesondere meine Frau und ich, sich technisch mit dem EXCOR®* System beschäftigt hatten. Dank meiner Frau konnte der Wundverbandswechsel zu Hause durchgeführt werden. Ihre langjährige Erfahrung als Arzthelferin in einer Hautarztpraxis kam uns dabei zugute.
Zur ambulanten Kontrolle ging ich alle vier Wochen in die Klinik in Heidelberg. Mein Gesundheitszustand hatte sich enorm gebessert. Ich konnte im Haushalt mithelfen, was eine kleine Entlastung für meine Frau darstellte. Wir gingen gemeinsam einkaufen und machten unsere Spaziergänge durch den Ort. An freien Tagen unternahmen wir sehr gerne Ausflüge mit Freunden. Dabei war ich stets der Einzige, der keine Pausen machen wollte. Kurzum, man kann mit dem Excor mobil recht normal am Leben teilnehmen. Es ist eigentlich fast alles so, wie ohne das EXCOR®* System, nur in manchen Situationen etwas umständlicher. Aber auch diese Umstände habe ich bzw. haben wir zu bewältigen gelernt. Das EXCOR®* war einfach dabei. Und wir sind sehr froh, dass es so etwas gibt. Es hat mir mein Leben gerettet.
Dann kam der 2. November 2015. Ich war vormittags mit meiner Frau noch in der Stadt. Wieder zu Hause legte ich mich auf das Sofa, weil ich mich ausruhen wollte. Plötzlich habe ich mich verschluckt und musste husten. Meine Frau merkte direkt, dass etwas nicht in Ordnung ist und rief den Notarzt. Ich konnte nicht mehr deutlich sprechen. Kurz darauf traf ein Rettungsteam ein. Ich machte mit meinem linken Arm und linken Bein Bewegungen, die ich nicht kontrollieren konnte. Schnell war klar, dass ein Schlaganfall vorliegt. Es ging mit Blaulicht nach Homburg in die Uniklinik. Die ersten Untersuchungen bestätigten den Verdacht und ich wurde langsam klarer im Kopf. Ich nahm es eher mit Humor und sagte mir: Jetzt kann ich endlich wieder hoch dringlich gelistet werden und bekomme bestimmt bald ein Spenderorgan. Ich war noch eine Woche auf der Stroke-Unit. Dann kam die ersehnte Nachricht. Ich wurde nach Heidelberg verlegt und hoch dringlich gelistet – eine kleine Chance in Deutschland rechtzeitig ein Spenderorgan zu bekommen. Im Laufe der Woche auf der Stroke-Unit normalisierte sich fast alles wieder. So blieb von dem Schlaganfall kaum noch etwas zurück und ich ging voller Optimismus den nächsten Schritt an. Mir war auch klar, dass ich von nun an erst wieder ein Krankenhaus verlassen werde, wenn ich ein Spenderherz bekommen habe. Wie lange das dauert, war nicht vorherzusagen: Tage, Wochen oder Monate. Ich versuchte das Beste daraus zu machen, mir blieb auch nichts anderes übrig.
Fast jeden Tag bekam ich Besuch von meiner Familie. Wir gingen immer zuerst eine kleine Runde spazieren und danach für eine Tasse Kaffee ins Café. Im Laufe der ersten Woche mussten noch Untersuchungen durchgeführt werden, um mich bei Eurotransplant HU (high urgent) zu melden. Am 18. November kam ich am späten Nachmittag von meinem Spaziergang zurück, als mein behandelnder Arzt das Zimmer betrat und mit einem leichten Lächeln sagte: “Ab heute sind Sie bei Eurotransplant HU gemeldet“. Er zeigte mir dies schwarz auf weiß. Ich war überglücklich, sodass ich, glaube ich, noch eine Träne loswerden musste. Ab jetzt hieß es warten, warten auf den einen Anruf und das Glück.
In einer Nacht im Februar 2016 stand plötzlich der Nachtpfleger vor meinem Bett: Es gab ein Organangebot. Ich konnte es nicht fassen. Ich war in diesem Moment mit meinen Nerven am Ende, weil ich wusste, dass es hart wird, ich das aber schaffen werde. In der Chirurgie angekommen wurde ich freudig empfangen. Das meiste Pflegepersonal kannte ich schon sehr gut und alle freuten sich, dass ich nun auch endlich an der Reihe war. Der Arzt sagte mir, dass das Team noch unterwegs sei, das Organ zu entnehmen. Die OP ging gegen 6 Uhr früh los. Schon einen Tag nach der OP konnte ich von der Beatmung befreit werden und wieder selbstständig atmen. Bereits nach zwei Tagen auf der Intensivstation verlegt man mich auf die Überwachungsstation. Hier habe ich die ersten Schritte mit meinem neuen Herz gemacht. Im Laufe der Woche konnte ich dann auf die Normalstation.
Der weitere Verlauf gestaltete sich recht problemlos und zügig, sodass schnell über eine Reha gesprochen wurde. Nach genau vier Wochen konnte ich das Krankenhaus verlassen und war noch ein paar Tage zu Hause bis ich die Reha antreten konnte. Nach meiner ersten OP hatte ich dem Personal in der Rehaklinik Bad Schönborn versprochen, nach meiner Transplantation wiederzukommen. So war es dann auch und die Reha verlief sehr gut. Ich spürte, dass mein neues Herz sehr gute Arbeit leistet. Nach meinen offiziellen Anwendungen ging ich raus Spazieren oder setzte mich auf das Ergometer. Ich wollte immer etwas tun. Die drei Wochen vergingen wie im Fluge.
Wieder zu Hause angekommen konnte ich mich noch ein wenig ausruhen. Zur Routinekontrolle mit Biopsie musste ich im ersten Jahr nach der Transplantation alle vier Wochen. Körperliche Fitness habe ich mir nach und nach antrainiert. Die Spaziergänge wurden immer länger und schneller. Joggen ging aufgrund von Gelenkschmerzen noch nicht so gut. Ich fing dann mit Fahrrad fahren an. Bei meiner dritten Tour an einem Samstagmittag wurde ich auf der Landstraße von einem Autofahrer angefahren, sodass ich schwer stürze und mir die linke Hüfte und den linken Ellenbogen brach. Beides musste operativ versorgt werden. Wieder konnte ich wochenlang nicht richtig gehen. Nach knappen sechs Monaten fing ich wieder langsam an zu joggen. Und dann wollte ich auch wieder ein Fahrrad.
Im April 2016 begann ich mit meiner Wiedereingliederung. Ich konnte meinen bisherigen Job wiederaufnehmen. Seit Juni arbeite ich wieder Vollzeit, was mir keinerlei Probleme macht. Auch hier sehe ich nur Vorteile, die gut für die Psyche sind. Knapp zwei Jahre nach der OP habe ich mich in der Lage gefühlt, wieder in den Winterurlaub zu fahren. Ich bin sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf und fühle mich zu allem in der Lage. Aber auch ich muss etwas dafür tun. Regelmäßig mache ich den Sport, den ich für mich gut halte. Im Winter gehe ich bis zu viermal in der Woche joggen. Im Sommer verbringe ich überwiegend die Freizeit auf dem Fahrrad – eben hauptsächlich Ausdauersport, so wie ein normaler gesunder Mensch.
Auch muss ich ganz oft an meinen Spender denken, schaue hoch in den Himmel und sage für mich immer nur „Danke“. Gerade in solchen Momenten, die ich ohne seine/ihre Organspende sehr wahrscheinlich nicht mehr erlebt hätte. Jeder sollte seine Entscheidung für oder gegen eine Organspende überdenken und seinen Wille auch deutlich mitteilen. Organspende rettet Leben. Mein Leben wurde durch eine Organspende gerettet. Und NEIN es MUSSTE kein anderer Mensch für mich sterben!
Geschrieben von Mathias K.
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