Patienten & Angehörige

Mit unseren Produkten unterstützen wir weltweit Patienten mit Herzinsuffizienz – vom Neugeborenen bis zum Erwachsenen.

Das Herz

Wie funktioniert das Herz?

Das menschliche Herz ist ein hochspezialisierter Muskel, der aus zwei Hälften besteht. Die Herzhälften besitzen je einen Vorhof und eine Herzkammer. Jede Hälfte ist für einen separaten Kreislauf zuständig: die rechte Herzhälfte für den „kleinen“ Lungenkreislauf, die linke für den „großen“ Körperkreislauf.

Am Ende des großen Körperkreislaufs gelangt das „verbrauchte“, sauerstoffarme Blut durch die obere und die untere Hohlvene in den rechten Vorhof und von dort in die rechte Herzkammer. Von hier wird es in die Lunge gepumpt, um mit Sauerstoff angereichert zu werden. Das nun ­wieder „frische“ Blut gelangt über die Lungenvenen in den ­linken Vorhof und von hier in die linke Herzkammer. Über die Aorta (Hauptschlagader) wird das Blut nun zurück in den ­großen Körperkreislauf gepumpt. Dort versorgt es u.a. ­Organe und Zellen mit lebenswichtigem Sauerstoff und Nährstoffen.

Einem gesunden Herzen gelingt es, ein Leben lang ca. 70 Mal pro Minute zu schlagen und bei jedem einzelnen Schlag etwa 70 ml Blut zu befördern. Ein komplexes Erregungsleitsystem steuert die Pumpvorgänge. Der im rechten Vorhof gelegene ­„Sinusknoten“ liefert elektrische Impulse, damit das Herz schlägt. Diese Impulse breiten sich auf das ganze Herz aus und lösen die Pumpbewegungen aus, indem sie die jeweils richtigen Muskeln ansprechen.

Schweregrad-Klassifikation

Die New York Heart Association (NYHA) teilt den Schweregrad von Herzerkrankungen – unabhängig von der Erkrankungsursache – in vier Stadien ein:

Stadium  

Krankheitsbild

Befund

I

Herzerkrankung ohne körperliche Einschränkung im Alltag

Keine objektiven Hinweise für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung

II

Herzerkrankung mit leichter Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Keine Ruhebeschwerden

Objektive Hinweise auf eine geringe
Herz-Kreislauf-Erkrankung

III

Herzerkrankung mit höhergradiger Einschränkung der ­körperlichen Leistungsfähigkeit.
Keine Ruhebeschwerden

Objektive Hinweise auf eine mäßig- bis hochgradige Herz-Kreislauf-Erkrankung

IV

Starke körperliche Einschränkung schon bei leichtesten Aktivitäten, Beschwerden schon in Ruhe

Objektive Hinweise auf eine schwere Herz-Kreislauf-Erkrankung

Herzinsuffizienz

Was ist Herzinsuffizienz?

Herzinsuffizienz bezeichnet den Zustand, in dem das Herz nicht mehr genügend Blut in das Körpergewebe pumpen kann. Da zu wenig Blut gepumpt wird, erhalten die Organe nicht genügend Sauerstoff und Nährstoffe. Herzleiden können angeboren sein oder sich im Laufe des ­Lebens entwickeln.

Folgende Symptome können bei einer Herzschwäche auftreten:

  • Kurzatmigkeit
  • Müdigkeit und Schwäche
  • Schwellung (Ödem) in den Beinen, Knöcheln und Füßen
  • Schneller oder unregelmäßiger Herzschlag
  • Verminderte Fähigkeit zur Bewegung
  • Anschwellen des Abdomens (Aszites)
  • Plötzliche Gewichtszunahme durch Flüssigkeitseinlagerung
  • Appetitlosigkeit und Übelkeit
  • Halsvenenstauung
  • Konzentrationsstörungen oder verminderte Aufmerksamkeit

Herzinsuffizienz-Therapie

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Herzinsuffizienz?

Je nach Schweregrad und Art der Herzschwäche können Medikamente helfen, Operationen notwendig sein oder eine mechanische Herzunterstützung zum Einsatz kommen.

In welchen Fällen kann ein Herzunterstützungssystem helfen?

Ist das Herz so schwer geschädigt, dass die Organe nicht mehr ausreichend versorgt werden, muss es unterstützt werden. Ein Herzunterstützungssystem übernimmt die Arbeit des Herzens vollständig oder teilweise. So ermöglicht das System einen adäquaten Blutfluss und Blutdruck.

Herzunterstützungssysteme, im Englischen Ventricular Assist Devices (VADs), können v.a. bei den folgenden Diagnosen zum Einsatz kommen:

  • Dilatative Kardiomyopathie: Eine Herzmuskelerkrankung, bei der das Herz stark vergrößert ist. Durch die starke Überdehnung des Herzmuskels kann dieser sich nicht mehr ausreichend zusammenziehen, um genügend Blut zu pumpen.
  • Ischämische Kardiomyopathie: Ein oder wiederholte ­Myokardinfarkte (Herzinfarkte) führen zu einer Herzmuskel­schwäche. Die Koronararterien (Herzkranzadern) sind dann verengt oder ­verschlossen, sodass das Herz viel schlechter durchblutet wird.
  • Postmyokardiale Kardiomyopathie: Eine Herzmuskelerkrankung, bei der der Patient nach einer überstandenen Herzmuskelentzündung eine weitere Herzmuskelerkrankung entwickelt.
  • Myokarditis: Eine Entzündung (meist virale Infektion) des ­Herzens, die zu Herzversagen führt.

VADs werden eingesetzt, um die Wartezeit von Patienten bis zur Herztransplantation zu überbrücken (als sogenannte bridge to transplant). Darüber hinaus können VADs als dauerhafte Therapie bei Patienten dienen, für die eine Herztransplantation nicht in Frage kommt (als sogenannte destination therapy). In manchen Fällen erholt sich das Herz durch die erfolgte Entlastung derart, dass eine Transplantation nicht mehr notwendig ist (als sogenannte bridge to recovery).

Wussten Sie, dass…

…das Herz ungefähr so groß wie die Faust seines Besitzers bzw. seiner Besitzerin ist?

…das Herz im Laufe eines durchschnittlichen Menschenlebens etwa 220 Millionen Liter Blut durch den Körper pumpt? Mit der gleichen Menge Wasser könnte man fast 88 olympische Schwimmbecken füllen.

…das Herz nie schläft? Selbst im Ruhezustand arbeiten die Herzmuskeln schwerer als die Beinmuskeln eines Sprinters beim Wettkampf. 

Wie funktionieren Herzunterstützungssysteme?

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Herzunter­stützungssystemen: implantierbare und parakorporale bzw. extrakorporale Systeme.

Ein implantierbares VAD dient der Unterstützung der ­linken Herzkammer. Es bietet dem Patienten bei einer ­längerfristig notwendigen Unterstützung mehr Lebens­qualität. Aus dem Körper tritt nur ein transku­tanes (Haut durchdringendes) Kabel aus. Die Pumpe und alle Kanülen, die diese mit dem Herzen verbinden, befinden sich im Körper. Lesen Sie hier mehr zu dem implantierbaren Herzunterstützungssystem INCOR®.

Ein parakorporales VAD kann genutzt werden, um entweder eine oder beide Herzkammern zu unterstützen. Parakorporal bzw. extrakorporal bedeutet, dass sich die Blut­pumpen außerhalb des Körpers befinden und mit dem ­Herzen und den Blut­gefäßen über ­Kanülen verbunden sind. Es ist sowohl für die kurz- als auch für die langfristige ­Unterstützung ­geeignet. Hier erfahren Sie mehr zu dem parakorporalen Herzunterstützungssystem EXCOR® Pediatric und EXCOR® Adult.

VADs gibt es für folgende Unterstützungsarten:

  • als LVAD (Left Ventricular Assist Device) zur Unterstützung der linken Herzkammer
  • als RVAD (Right Ventricular Assist Device) zur Unterstützung der rechten Herzkammer
  • als BVAD (Bi-Ventricular Assist Device) zur Unterstützung beider Herzkammern